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Riesige Weberknechte fallen über Deutschland her – Regelmäßig gestellte Fragen


Dieser Tage liest man so einiges über riesige Spinnen die über Deutschland herfallen. Das Fernsehen bemüht sich allerdings immer noch vergebens die so furchtbaren Tiere abzulichten. Und von Herfallen kann nur die Rede sein, wenn man unser Mitglied Axel Schönhofer, Experte für das Phänomen an der Uni Mainz und Mitautor des nebenstehenden Artikels bezüglich des überschäumenden Interesses der Presse zu diesem Thema befragt.

Leider wird auch von teilweise seriösen Zeitschriften eine gewisse Gefährlichkeit suggeriert. Dem möchten wir entgegentreten und Axel Schönhofer beantwortet im Folgenden eine Reihe von häufig gestellten Fragen zu diesem Thema.

 

„Sind die Tiere gefährlich für den Menschen?"

„Nein, die Tiere sind völlig harmlos. Weberknechte besitzen kein Gift, keine Stacheln und springen auch niemanden an, dazu sind ihre Beine viel zu schwach. Die Zusammenballung von vielen Tieren zu einer dichten Gruppe dient dem Schutz vor Feinden.“

„Welche Gefahr geht nun eigentlich von diesen Tieren aus?“

„Diese Weberknechte sind nicht heimisch, daher ist unsere Fauna nicht an eine Belastung durch diese Neubürger (oder Neozooen) angepasst. Wir befürchten durch die große Zahl der bereits beobachteten Tiere und das anscheinend schnelle Wachstum der Populationen einen Verdrängungseffekt für einheimische Weberknechtarten. Möglicherweise fressen die neuen Weberknechte diesen das Futter weg oder sogar die Jungtiere dieser Arten. Ein Einfluss auf andere Tiergruppen ist ebenfalls möglich. Weitere Informationen zu dieser Problematik finden sie unter Neophyten und Neozooen.“

„Hilfe, meine Keller ist voller Weberknechte!“

„Weberknechte dringen nur selten und eher zufällig ins Haus ein. Dagegen sind die Zitterspinnen den Weberknechten mit ihren dünnen Beinen sehr ähnlich. Zitterspinnen bauen Netze und man findet sie häufig in Wohnungen.“

„Sind Weberknechte keine Spinnen?"

„Weberknechte sind eine eigene Gruppe innerhalb der sogenannten Spinnentiere. Andere bekannte Gruppen sind die Skorpione, Milben, wozu die Zecken zählen und natürlich die echten Spinnen.“

„Wie unterscheiden sich Weberknechte von Spinnen?“

„Eine Spinne hat einen Kopf an dem alle Beine sitzen und einen Hinterleib. Bei Weberknechten ist beides miteinander verschmolzen und bildet einen einheitlichen Körper. Weberknechte bauen auch keine Netze.“

„Was unterscheidet diesen neuen Weberknecht von den einheimischen?“

„Diese neue Art besitzt ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Die Tiere finden sich zu Ruhegesellschaften von Dutzenden bis vielen hundert Tieren zusammen und verbringen so im Schutz der Gruppe den Tag. Nachts gehen sie einzeln auf Futtersuche.“

„Man liest, die Tiere werden 20cm groß, das ist ja unheimlich.“

„Leider gingen in vielen Presseberichten die Relationen zwischen Körpergröße (0,5cm) und Beinspannweite (18cm) verloren. Weberknechte besitzen sehr dünne Beine, so dass man sie fast nicht wahrnimmt, wenn sie an der Wand sitzen. Jeder von uns läuft tagtäglich an zahlreichen ähnlich großen Weberknechten vorbei ohne sie zu bemerken. Eine Spinne gleicher Beinspannweite würde dagegen auffallen.“

„Wo sind diese Tiere bis jetzt gefunden worden?“

„Gesicherte Funde stammen aus den Niederlanden, Deutschland und Österreich. Die Tiere sind damit bereits sehr weit verbreitet und ein Vorkommen ist überall wahrscheinlich.“

"Woher kommen diese Weberknechte?“

„Wir können das bisher nicht mit Sicherheit sagen, da wir das Ursprungsland nicht kennen. Die Tiere sind vermutlich mit dem Überseehandel und Containerschiffen eingeschleppt worden und breiten sich seit mindestens einem Jahrzehnt von den Niederlanden her aus. Aber auch ein europäischer Ursprung kann nicht ausgeschlossen werden.“

„Leiobunum sp.? Warum kann man die Art nicht benennen?“

„Die Gattung Leiobunum ist von Amerika über Europa und Nordafrika bis nach Asien mit ca. 120 Arten verbreitet. Nur ein Teil dieser Arten ist so gut beschrieben, das wir sie gut kennen und erkennen können. Viele Arten sind auch der Wissenschaft neu und müssen beschrieben werden. Das geht vielfach nur, wenn man die schlechter bekannten Arten neu definiert, was teilweise sehr schwierig und langwierig ist. Sicherheit erhalten wir dabei nur, wenn wir das Ursprungsland der in Deutschland neu aufgetauchten Art finden. Auch das ist schwierig, da die Tiere durch den Handel möglicherweise bereits überall hin verschleppt wurden und sich die Ursprünge dadurch verschleiern.“

„Wodurch wurde das Problem verursacht?"

„Wahrscheinlich ist es ein menschgemachtes Problem und die Tiere wurden durch den Handel verschleppt. Der intensive Wahrenverkehr schert sich wenig um biologische Passagiere. Es werden auch Krankheiten wie zum Beispiel Malaria mit Stechmücken „verschifft“. Es ist mit Spannung zu erwarten, ob im Jahr der Biodiversität Gelder zur Untersuchung der neuen Art und vor allem der Wechselwirkung mit der einheimischen Tierwelt bereit gestellt werden.“

„Was soll ich tun, wenn ich solche Weberknechte finde?“

„Am besten lassen Sie die Tiere einfach sitzen. Es besteht die akute Gefahr, dass durch die aktuell geschürte Hysterie viele einheimische Weberknechte einfach totgeschlagen werden. Der Laie kann sicher nicht zwischen diesen und der neuen Art unterscheiden und es gibt auch sehr seltene und geschützte Weberknechte.“

„Soll ich die Tiere melden?“

„An der Uni Mainz versuchen wir Ausbreitung und Herkunft der neuen Weberknechtart zu ermitteln und sind daher immer an neuen Fundorten interessiert. Aufgrund vieler arbeitsintensiver Fehlmeldungen erleichtert ein digitales Bild unsere Arbeit jedoch ungemein. Ein weiteres Kriterium ist das bitte nur in Gruppen sitzende Weberknechte gemeldet werden. Einzeltiere gehören meistens zu anderen Arten. Diese Daten können dann an Axel.Schoenhofer@uni-mainz.de gemeldet werden.“

„Wie kann ich die neue Art von einheimischen Arten unterscheiden?“

„Charakteristischstes Merkmal ist die Eigenart der Tiere sich zu Schlafgesellschaften von dutzenden und hunderten Tieren zusammen zu finden, die sich dicht aneinander drängen. Die Tiere sind fast schwarz mit einem metallisch grünem Schimmer auf dem Rücken. Die Beine sind schwarz und besitzen auffällige weiße Stellen an den Gelenken.“

„Die Presse berichtet ständig von den Tieren, die überall sein sollen. Warum gab es lange keine Photos oder Filmaufnahmen?“

„In der Presse wurden solche Schlagworte wie „Fallen über Deutschland her“ gebraucht. Fazit ist: Die Tiere verhalten sich sehr unauffällig und fallen erst durch ihre enorme Zahl und ihr Aggregationsverhalten wirklich auf. Zudem sterben die Tiere im Herbst und wachsen bis Frühsommer heran. Erwachsene finden sich erst ab Juli, die Jungtiere sind noch sehr unauffällig und bilden keinesfalls diese großen Gesellschaften. Als Mensch wird man diesen Gruppen nur selten begegnen, da sie geschützte Stellen an Hauswänden aufsuchen, um sich zu verbergen. Es ist also Zufall einer Ansammlung zu begegnen.“

„Was kann jetzt getan werden?“

„Wir benötigen eine intensive Beobachtung der Ausbreitung dieser Art. Auch das Wachstum der Populationen und das Verhalten gegenüber anderen Arten muss untersucht werden. Die Frage woher die Tiere stammen ist ebenfalls noch ungeklärt.“

Quelle: http://www.gmn-ev.de/index.php?id=76

 

 

 
 
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